Der SV Innsbruck-Bergisel ist ein außergewöhnlicher Verein.
Er ist nicht nur besonders erfolgreich, der seit Jahren
erfolgreichste Springerclub in Österreich, wenn man es genau nimmt und
sein Licht nicht unter den Scheffel stellen möchte. Wer den
Vereinsnamen und die bekannten Gesichter wie Kofler, Nagiller, Denifl,
Liegl oder Müller nur aus den Medien kennt, vermutet mit Sicherheit ein
weitläufiges Schanzenareal mit der Reihe nach aufgefädelten
Sprungschanzen und hauptberufliche Trainer hinter den Leistungen.
Wir Natterer hätten gerne ein Sortiment an Sprunghügeln wie in
Villach, Ramsau, Bischofshofen. Fast erblassen lässt uns der Blick zum
großen Skisprungnachbarn Deutschland. Unsere Freunde in Garmisch, die
Oberstdorfer, Hinterzarten-Neu, Rastbühl, Oberhof, Berchtesgaden usw.
zeigen uns, wie modern ausgestattete Zentren beschaffen sein sollten;
da reihen sich die Schanzen vom Kinderhügel bis zur 90er oder noch
weiter nach oben Seite an Seite neben dem unverzichtbaren Lift zu einer
breiten Front an Trainings- und Steigerungsmöglichkeiten.
In Natters gibt zwei kleine Schanzen, versteckt hinter den
Tennisplätzen und dem dazugehörigen Clubheim; eine geht 24 m und die
"Große" 42 m weit, für die Anfänger schieben unsere Trainer einen
"Bock" in den Aufsprung der 42er, damit Sprungweiten um die 10-12m
erzielbar und die Grundkenntnisse zum Aufstieg auf die 20er erworben
werden.
Der "Aufstieg" ist im Natterer Fall durchaus wörtlich zu
nehmen, er erfolgt tatsächlich noch zu Fuß. Größter Wunsch von
Springern, Trainern und Eltern (tragen für die jüngsten die schweren
Sprunglatten an den Start und warten Minuten später im Auslauf auf den
heranrauschenden Filius um ein weiteres Mal den "Sherpa" zu machen) ist
ein Lift. Er steht auch ganz oben auf der Wunschliste an die Tiroler
Landesregierung zur Optimierung der Trainingsmöglichkeiten bei einem
der weltweit erfolgreichsten Skisprungvereine.
Historisch gesehen sind wir auch außergewöhnlich:
Ursprünglich sind unsere Schanzen die Nachwuchshügel des großen,
berühmten Innsbrucker Bergisels. Auf Innsbrucker Stadtgebiet war aber
seinerzeit kein Platz für Kinderschanzen und unser Ahnherr, der Geiger
Toni aus Natters hat das Adlernest kurzentschlossen und mit gewaltigem
persönlichen Einsatz in seiner nächsten Umgebung ansässig gemacht. Dort
hat sich der Verein zu dem entwickelt, was er heute ist: Ein
eingeschworener Haufen von skisprungbegeisterten Kindern (aus Innsbruck
und Umgebung), Eltern, Trainern, Vereinsfunktionären und Helfern die
meistens in Mehrfachfunktionen agieren. Eltern übernehmen einige Jahre
Funktionen und Verantwortungen im Verein, ehemalige Springer tauchen
als Trainer wieder auf, andere Elternteile steigen ebenfalls als
Trainer ein oder bringen ihre Talente und Arbeitskraft sowie immer
wieder erstaunlich gute Stimmung für die gemeinsame Sache ein.
Bei Aktionen wie dem? Winterfestmachen? Der Mattenschanzen oder dem
Beschneien sowie beim Ausbau des Trainingsraumes und dem Basteln an
speziellen Trainingsgeräten zeigt sich wie segensreich sich dieses
ehrenamtliche Engagement auswirken kann. "Klein aber fein", so steht unsere Anlage heute im Rahmen der bescheidenen Möglichkeiten blitzsauber da.
Aus allen Ecken und Winkeln blickt einem der Natterer-Geist
entgegen. Es ist ganz einfach inspirierend für alle, wenn man sieht,
wie das hohe Anspruchsniveau und die Freude am Gelingen allgegenwärtig
scheinen.
In meiner Funktion beim ÖSV habe ich mit der Elite, mit den Profis
in unserem Sport zu tun. Durch meinen vertieften Einblick in die
Vereinsstrukturen von Natters habe ich viel dazugelernt und mein
Respekt vor der Arbeit und Verantwortung an der Basis "die ersten Jahre
sind die wichtigsten" ist dadurch nur gewachsen.